Die Inszenierung versteht die Welt der Fledermaus als Zustand des „wirtschaftlichen Krieges“, der nicht offen ausgetragen wird, sondern in Beziehungen, Sehnsüchten und sozialen Rollen fortlebt. Die bekannten Figuren erscheinen dabei nicht als bloße Operettencharaktere, sondern als Menschen, die sich hinter Rollenbildern verstecken und in immer neuen Identitäten Zuflucht suchen. Gerade darin entsteht eine schmerzhafte Nähe zur Gegenwart.
Rosalinde und Eisenstein stehen im Mittelpunkt eines fragilen Gefüges aus Überforderung, Entfremdung und unerfüllten Erwartungen. Rosalinde ringt mit sich selbst und der eigenen Langeweile einer bürgerlichen Existenz. Alfred provoziert durch seine trockene Lebendigkeit, während Adele versucht, der Bedeutungslosigkeit zu entkommen und sich in einer Welt der Möglichkeiten neu zu erfinden. Hinter den komischen Fassaden werden die Figuren zunehmend entblößt: sichtbar werden Einsamkeit, Lebenshunger und die Sehnsucht nach einem anderen Leben.
Vier Sänger*innen, ein Performer und ein Pianist erschaffen eine eigene musikalische Zwischenwelt, in der sich Operette, Körperlichkeit und sozialkritische Texte verbinden. Die Figuren bewegen sich durch musikalische Räume, die zugleich schillernd und brüchig wirken – ein Abend voller Reibung, Übertreibung und dunkler Komik.
Theater im Delphi, Berlin